ARCHIV

Zum Vergrößern anklicken  |  Fotos: D. Adair

2008

UNTER STROM

Im Jahr 2008 setzten die Künstler*innen, die von Münster und Leipzig aus international für Furore sorgen, gleich einen ganzen Kanton in der Schweiz unter Strom: Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich beauftragten zu ihrem 100-jährigen Bestehen das Titanick-Team, ein Open Air Spektakel zu entwickeln. 40 Mal kam das Publikum zwischen Wädenswil und Winterhur in den Genuss ein Fest für Augen, Ohren und natürlich fürs Herz zu erleben.

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Mit dem Strom aktivierte das Ensemble ein fünftes Element. UNTER STROM setzte die Reihe der Produktionen fort, in denen atemberaubende Spezialeffekte und eine emotional berührende Geschichten die Menschen bewegen. Mit wenigen Worten, poetischen Bildern und dem Einsatz einer Technik, die archaische Kraft ausstrahlt, entstand ein mitreißendes Stück, das deutlich machte, wie wertvoll Strom als Energiequelle für den Menschen ist. Strom, der im Lebensalltag nicht greifbar und unsichtbar ist, wurde sinnlich wahrnehmbar. Einfache mechanische Elemente sprachen Bände über die Herstellung, die Speicherung und die Weiterleitung von Strom – aber auch über unmäßigen Verbrauch, Kontrollverlust und Energiemangel.

Zum Vergrößern anklicken  |  Fotos: Ralf Emmerich

2007

ODYSSEE

Eine Open Air Inszenierung über die Irrfahrt eines Theaterensembles.

Die Odyssee ist in vielen Kulturkreisen ein Synonym für lange Irrfahrten und steht für den Lebensweg des Menschen voller Herausforderungen. Sie ist aber auch eine Geschichte über Gewalt, Verlust und Tod. Die Homersche Odyssee bildete den Ausgangspunkt einer Inszenierung, in der der skrupellose Regisseur einer fahrenden Theatertruppe seine Version des klassischen Stoffs auf die Bühne bringen wollte und sich dabei in seiner eigenen skurrilen Welt verloren hat.

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Alles begann mit der griechischen Imbissbude „Poseidon-Grill“, die dem Überseecontainer der Theatertruppe weichen musste. Der Container verwandelte sich in eine Bühne und das Spektakel begann: Narzistisch und dominant inszenierte der Regisseur den Kampf gegen den Windgott und den Zyklopen und ließ sogar die Techniker blökende Opferlämmer mimen. Das Ensemble setzte seine bizarre Idee der Odyssee in Szene – bis der gekränkte Imbissbudenbesitzer einen Rachefeldzug startete und dabei übermenschliche Kräfte entfesselte. Mit peitschenden Stürmen und tobenden Feuern durchkreuzte er die Pläne des Theatermachers. Doch der berauschte sich am Kampf gegen den Widersacher, der schließlich sogar in göttlicher Gestalt auftrat. Selbst der tödliche Unfall einer Darstellerin hielt den Regisseur nicht davon ab, seine Vision rücksichtslos durchzusetzen. Am Ende aber blieb der Theaterheld ohne Moral allein zurück wie Odysseus vor der entfesselten Wut der Götter.

Theater Titanick erzählte seine Fassung der Odyssee mit Bildern voller Kraft und Ironie, in der die reale Welt der Theatertruppe und das Homersche Epos unlösbar miteinander verwoben war und damit ein Tor zur Gegenwart, aber auch zur Antike öffnete.

ODYSSEE erhielt den 1.Preis für die beste Inszenierung beim Internationalen Theaterfestival Tvrdava Teatar in Smederevo, Serbien.

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2004

TREIBGUT

TREIBGUT erzählte von der mythischen Welt der Flussgötter und ungeahnter Wassererlebnisse im Angesicht der Flut.

Im Vordergrund der Inszenierung stand das Leben der von Flut und Überschwemmung Betroffenen. Sie trieben auf den Resten ihrer Existenz ­heimatlos auf den Flüssen und Meeren dieser Welt. Auf ihrer Reise begegneten sie einer mythischen Welt voller Kraft und Lebensfreude, der Welt der Flussgötter und Nymphen.

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Wasser war Hauptdarsteller von TREIBGUT. Wasser atmet, zittert, lebt. Wasser reagiert, regt und rächt sich. Wasser bahnt sich tröpfelnd seinen Weg in die private Welt der Menschen, in ihre Kühlschränke, Betten und Radios und in ihre Herzen. Verkörpert durch Neptun und seine musizierenden Nymphen, fand es poetischen Ausdruck in Musik und Wasserspielen genauso wie in der Urgewalt, die alles vernichten kann. Wasser ließ die Menschen auf den Resten ihrer Existenz schwanken, hin und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen, Bedrohung und Rettung. Ein fellinihafter Tanz am Rand des Strudels begann, dessen apokalyptisches Ende zugleich Katharsis und Wiedergeburt bedeutete. In kleinen und großen Tragödien ­ zwischen Verzweiflung, Mut und irrwitziger Lebenslust im Angesicht der Katastrophe, ­ wurden sinnlich erfahrbare Geschichten über die Naturgewalten des Wassers erzählt.

Zum Vergrößern anklicken  |  Fotos: Sven Doehring

1999

INSECT

Die Ameise ist an die Erde gefesselt, das ist ihr Schicksal und ihre Bestimmung. Was aber geschieht, wenn die krabbelnde Kreatur sich in die Lüfte erheben will, wenn sie vom Fliegen zu träumen beginnt? Der Absturz liegt nahe, das zeigt die Erfahrung. Aber steckt nicht auch im aussichtslosesten Versuch noch etwas mehr als nur eine Hoffnung – eine winzige Chance?

INSECT war eine weitere spektakuläre Open-Air-Inszenierung von Theater Titanick. Die Welt wurde darin als Insektenstaat gezeigt und in den eigentlich so winzigen Wesen bildete sich der große Menschheitstraum vom Fliegen ab.

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Ihre Majestät hielt pompös Einzug. Der gigantische Leib der Königin war gefüllt mit neuer Brut. Eine Zeitlang fand das Leben im Insektenstaat wieder zu seiner gewohnten Ordnung. Die Ameisen widmeten sich ganz ihrer Königin und ihren Eiern, wie es ihre vornehmste Aufgabe zu sein scheint. Doch auch die Herrscherin muss sich dem höchsten Lebenszweck der Insekten unterordnen. Als jedoch das letzte Ei ihrem Leib entschlüpft ist, droht ihr Gefahr: denn ihre Macht ist gebunden an ihre Fähigkeit zur Reproduktion. Da aber gebiert die alternde Königin eine Tochter, eine Prinzessin mit Flügeln zum Fliegen! Die Ameisen sind verzaubert und schon fürchtet die Königin um ihren Einfluss. Sie stutzt dem ungestümen Nachwuchs gnadenlos die Flügel.

Aber mit der Prinzessin wurde auch ein Traum geboren, den niemand mehr bändigen kann. Die höfischen Gewohnheiten geraten aus dem Lot, die Ameisen überbieten sich in immer neuen grotesken Versuchen, den Luftraum zu erobern. Ganz vergeblichen Versuchen allerdings, bis ein sonderlicher Erfinder seine seltsame Flugmaschine vorstellt. Nun steht das ganze Ameisenvolk kurz davor abzuheben – kennt die Euphorie keine Grenzen, wird der Ballast der Bedenken abgeworfen, segelt die Gesellschaft frohgestimmt in die Katastrophe.

Nur der fantasievollen Prinzessin ist es vorbehalten, die zündende Idee für die Erfüllung ihres Traums zu finden. Sie transformiert den Leib der toten Königin in einen Ballon und fliegt mit dem Ameisenvolk in den Nachthimmel.

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1998

PAX

PAX war die Open-Air-Inszenierung von Titanick zum 350 – jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens 1998 in Münster und Osnabrück. Die Stadtinszenierung entstand in Kooperation mit Compagnie Off aus Frankreich und dem Theater im Pumpenhaus, Münster.

PAX versinnbildlichte den Weg der Menschen auf der Suche nach Glück und Harmonie, ausgehend von den Tiefen der Erde zu den Höhen des Paradieses.

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Vom Servatiiplatz bis zum Domplatz wurde die Innenstadt Münster selbst zur Bühne eines sinnlich theatralischen Gesamtkunstwerks. „Vom lehmigen Atem eines Erdmenschen gestreift“ schrieb die Münstersche Zeitung, denn das Publikum vereinigte sich mit Schauspieler*innen, Musiker*innen, Akrobat*innen und fahrbaren Objekten im Rhythmus der rumänischen Fanfare Ciocarlia zu einer einzigartigen Parade. Licht- und Schattenspiele setzten die Fassaden von Häusern und Kirchen als überdimensionale Bühnenbilder in Szene. Hautnahe Berührungen der Akteur*innen, eindrucksvolle Massenchoreographien zu intensiver Musik, explodierende Feuerpilze, Rauchschwaden und Gerüche ließen PAX zu einem einzigartig fühlbaren Erlebnis werden.

Im Rahmen der regionalen Kulturförderung wurde PAX in 5 weiteren Städten in NRW aufgeführt – und darüber hinaus auch in Angers, Frankreich.

„PAX kam über Münster, so muß man es sagen, denn wer hätte die berauschende Wirkung voraussagen wollen, die die Perfektionisten des Theater Titanick bei den Zuschauermassen erzielten?“
(WN, Mai 1998)

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1996

TROJA

Auf dem Olymp war große Götterversammlung: die Unsterblichen tranken einander aus goldenen Pokalen zu und schauten auf Troja nieder. Da ward von Zeus und Hera der Untergang der Stadt beschlossen.

Mit den grausamen und grotesken Bildern vom Fall der Stadt Troja schaffte Theater Titanick ein Sinnbild für die selbstzerstörerische Lust an der Macht.

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Der Raub der Griechin Helena durch den Trojaner Paris führt zur Belagerung Trojas. Bei Titanick verkörperte eine monumental-futuristische Stahlkonstruktion die umkämpfte Stadt. Die Sprache reduzierte sich auf Kampfschreie und Schlachtrufe. Urgewalten wie Feuer, Wasser und Erde machten aus dieser Inszenierung ein brachiales Gesamtkunstwerk. Mit der ungebändigten Gewalt eines Natur-Spektakels wurde der Untergang einer Stadt zelebriert.

In Anlehnung an die Geschichte Homers über die Belagerung von Troja fokussierte sich Theater Titanick neben der Dramatik vor allem das Groteske und das Absurde eines Krieges.